Sieben Fragen an eine Schriftstellerin

23 Februar

Und schwups, ist schon die letzte Februarwoche am Start. Irgendwie sind die letzten Wochen viel schneller als üblich an mir vorbeigerauscht, obwohl ich am Ende eines jeden Tages feststellen muß, dass eigentlich überhaupt nichts großartiges passiert ist. Man fährt morgens zur Arbeit, am Nachmittag vielleicht noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Zuhause das Übliche, Post duchblättern, die Wohnung lüften, Kissen aufschütteln, ein wenig aufräumen und das Essen vorbereiten. Danach steht vielleicht noch eine kleine Laufrunde auf dem Progranm, Bewegung an der frischen Luft ist belebend, macht so schön den Kopf frei. Dann endlich beginnt die schönste Zeit des Tages, Enstpannung ist angesagt. Manchmal schaue ich fern, oder ich schnappe mir ein Buch und mache es mir gemütlich. Wie fühlt es sich wohl an ein Buch zu schreiben? Das habe ich mich schon oft gefragt.






Kennst du die Geschichten von Odysseus? So richtige Männergeschichten mit vielen Abenteuern, die es zu bestehen galt? Zwei wichtige Figuren in diesem antiken Epos sind Penelope, seine Frau, und die Zauberin Circe, die auch seine Geliebte war. Die Schriftstellerin Marcella Berger hat jetzt ein Buch über genau diese beiden Frauen herausgebracht und sie verschiedene Geschichten in der Jetztzeit erleben lassen.
 
Wie der Zufall manchmal so spielt bekam ich die Gelegenheit, mit Marcella über ihr neues Buch und vor allem über ihre Arbeit als Schriftstellerin zu sprechen. Ich durfte sie zu ihrem Alltag und nicht zuletzt über ihr neues Buch, Die Frauen des Dulders und andere Zumutungen, befragen. 
Neugierig geworden? Dann wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen: 
 

 
 
 

 
 
1) Liebe Marcella, drei Worte die Sie am besten beschreiben:
Unerschrocken, skeptisch, neugierig.

2) Wie lautet der beste Ratschlag, den Sie persönlich je bekommen haben?
Nutze deinen eigenen Kopf - und zwar konsequent – und ohne dir in die Tasche zu lügen!

3) Beschreiben Sie Ihr Buch in einigen Sätzen:  
Die Frauen des Dulders“ – das sind Geschichten von starken Frauen, mit denen ich eine Art Experiment veranstalte: 
In dem 1.Teil, der mit Circe-Variationen überschrieben ist, wird die Perspektive von Frauen eingenommen, die wie einst die legendäre Circe, erotische Macht über Männer ausüben. Im Mythos war Circe ja eine Zauberin, also eine Gestalt mit übermenschlichen Fähigkeiten. Ihr Gegenstück ist die
durch und durch menschliche Penelope, die für Treue und ein romantisches Liebes- und Beziehungsideal steht und der ich ebenfalls drei Geschichten gewidmet habe. Es gibt in dem Buch also die Circe-Variationen und die Penelope-Variationen - Pole von Weiblichkeit, die ich erzählerisch auslote und in der Jetztzeit lebendig werden lasse. 
Bei der Arbeit an diesem Buch habe ich festgestellt, dass sich die Circe-Figur eher umrisshaft und assoziativ zeigt, vielleicht weil hier der Aspekt des Leidens fehlt - als zauberische Frau gehört sie gewissermaßen einer anderen Sphäre an. 
In den Penelope-Variationen hatte ich es dagegen mit Konflikten zu tun, die wohl jede von  uns kennt. Denn das Beziehungs- und Liebesmodell, dem die meisten von uns folgen, sich womöglich auch damit herumschlagen, sieht ja verliebte Leidenschaft  UND dauerhafte Beziehungsstabilität vor (was fast einer Quadratur des Kreises gleichkommt). Kurz und gut: Um von Penelope zu erzählen, brauchte ich nur auf mich und mein Leben zu schauen, diese Nöte sind uns wohl allen nicht fremd. 
Aber Circe – die Zauberin? Sie zu gestalten, war eine interessante Erfahrung…
 
 
 
 
 
    
  4) Marcella, was macht Sie glücklich? Und worüber können Sie sich ärgern?
Glücklich macht mich, wenn ich am Computer sitze und die Einfälle sprudeln, so dass ich kaum mit dem Schreiben nachkomme. Und glücklich macht mich auch unsere wöchentliche Telefonkonferenz mit meinen Kindern, die weit im Osten leben, nämlich in Berlin und Peking, ich selbst lebe in Mainz.  Was mich ärgert? Wenn ich langweiligen Selbstdarstellern nicht ausweichen kann… Ich versuch dann, mich wegzuträumen.
 
5) Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Schreiberin aus?
Ich bin eine Frühaufsteherin, bin meist schon gegen 5 Uhr munter. Dann ist das Haus ganz still und alles gehört mir. Der erste Kaffee des Tages ist ein großer Genuss. Ich setze mich im Morgenmantel an den Computer, es ist dann, als sei mein Kopf gelüftet.  Um 8 Uhr beginnt der „normale“ Tag. Frühstück mit meinem Lebensgefährten Axel, erst danach mache ich mich gesellschaftsfähig. Mittags koche ich, ich koche gern. Der Nachmittag ist den Medien gewidmet, Und abends sitzen wir in der Küche, trinken ein Gläschen Wein und plaudern, oder wir sehen fern, Corona zwingt ja zur Inhäusigkeit! Und da der frühe Vogel den Wurm nur ausgeschlafen fangen kann, muss der Vogel früh ins Bett ; )  Grundsätzlich sehe ich zu, dass ich Bürostunden einhalte, das sind die Stunden am Computer, und irgendwas wird da
immer produktiv.
 
6) Sie bekommen überraschend Besuch von der guten Fee. Was wünschen Sie sich? 
Die gute Fee soll bleiben! 
Sie soll mir als guter Geist zur Verfügung stehen und mir helfen., die kleinen Ärgernisse des Alltags durchzuwinken und im besten Fall darüber zu lachen.

7) Bitte beschreiben Sie Ihren perfekten Wohlfühl-Schreibort, ich möchte mir das unbedingt bildlich vorstellen können: 
 Mein perfekter Wohlfühlschreibort ist ein warmes Zimmer mit einem funktionierenden Computer, der nie Mucken macht und auf Knopfdruck tut was er soll.

 
Liebe Marcella, vielen Dank für diesen herzlichen und fantastisch-netten Kontakt. Vor allem aber für den Blick über Ihre Schulter, den Sie mir und meinen LeserInnen gewährt haben. Kommen Sie gut durch die Zeit. Alles Liebe, Elke M.
 

Wer mehr über Marcella Bergers Buch erfahren möchte: 
Am 27. Februar geht es in der Sendung Kultur- und Lebensart (14 - 17 Uhr, im SWR 2 Hörfunk) in der Rubrik Lesezeichen um "Die Frauen des Dulders".
 
Wer Marcella Bergers Buch lesen möchte, hier alles Wissenswerte: 
Die Frauen des Dulders und andere Zumutungen - Geschichten nach Homer
mit einem Nachwort von Gert Antos 
Autorin: Marcella Berger
 ISBN 978-3.947930-10-4
Edition Pauer, Kelkheim 2020, 180 Seiten, 14,80 Euro
 
Kommt gut durch die Woche und passt gut auf euch auf! xox, Meisje

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