Koffergeschichten: Brauche ich das wirklich?

06 Juni

 # Koffergeschichten

Ich habe das Gefühl , dass die letzten Wochen nur so an mir vorbeigerauscht sind. Der Mai verging so rasend schnell mit Mittagessen und Feierabend, mit netten Besuchen und Frühjahrsputz, mit guten Gesprächen und meinem Geburtstag und zack, war der Urlaub plötzlich da. Jetzt muss ich mir erst mal selbst den Alltagsdruck raus nehmen, den Kopf frei bekommen, dem Vogelgezwitscher da draußen lauschen und erst einmal ankommen.

Ich freue mich sehr auf die kommenden Tage und auf alles was da auf mich wartet. Weinberge, Olivenhaine, viel Natur und dazwischen hoffentlich ein paar Schafe und alte Eselskarren. Malerische Bergdörfer, enge Gassen, einfaches Landleben und ganz viel  s e l f c a r e ...

Bevor es losgeht, muss ich erst einmal meine Sachen zusammensuchen und in den Koffer packen. Anders wie früher packe ich mittlerweile sehr minimalistisch, und empfinde das als sehr befreiend.

Vorab, auch ich besitze einige Kleidungsstücke die schon längst volljährig sind und von denen ich mich vermutlich trotzdem niemals trennen werde. Schon während ich die Augen schließe und meine Nase in das weiße Sommerkleid stecke bilde ich mir grundsätzlich ein das Meer zu riechen, die blühenden Lavendelfelder in der Provence zu erschnuppern oder den Duft der verblichenen Hortensienköpfe in der Bretagne zu erahnen. Schon beim Betrachten dieser Kleidungsstücke steigen so viele Erinnerungen in mir auf das ich einfach noch nicht dazu bereit bin es herzugeben. Es ist weniger das Gefühl, das ich dieses oder jenes vielleicht doch noch einmal tragen oder brauchen werde. Es sind einfach diese Stückchen Geschichte, die noch bewahrt werden möchten. 




Nun ist es bei weitem nicht so das ich weder einen riesigen Kleiderschrank noch eine vollgestopfte Wohnung habe. Aber ich kam plötzlich zu dem Punkt, das der Gedanke an all diese Dinge eine Art Druck bei mir auslöste. Tatsächlich fühlte ich mich von Kleidungsstücken und den Dingen fast erdrückt. Mein Kleiderschrank barg zum Beispiel so einige Leichen, Fehlkäufe oder so genannte Schnäppchen die ich so gut wie niemals trug. Ich trug meistens dieselben Sachen.

Mir wurde das alles zu eng und schnürte mir beinahe den Hals zu. So beschloss ich von Heute auf Morgen vieles loszulassen. Es war leichter als gedacht, mein Motto so genial wie einfach:

"Wenn das was ich besitze mich nicht glücklich macht, 
warum halte ich dann daran fest?" 
  
 

   
  




So verschenkte ich, spendete oder verkaufte online all die Dinge, die mir zu meinem Glück nicht fehlen und machte andere damit glücklich. Es war so unsagbar schön und befreiend, dass ich augenblicklich beschloss es erst gar nicht mehr so weit kommen lassen möchte.
Seitdem kaufe ich bewusster. Ich kaufe Sachen die zu mir und meinem Stil passen, und nicht nur weil es gerade im Sale ist oder im Trend. Damit diese Sachen, die ja im Grunde gar nicht zu mir passen, dann nur wieder in den Kleiderschrank wandern ohne jemals getragen zu werden.

Für die Wohnung gibt es ausschließlich nur noch Einzelstücke, hübsche Vintagegegenstände oder Brocante Schätze die ich um mich haben möchte, die mir gut tun. Wobei ich hier oft ernsthaft die Notwendigkeit abwäge.
Beim Anschaffen von Kleidungsstücken überlege ich:
Brauche ich diese Bluse wirklich? Besitze ich nicht schon eine die ähnlich ist? Will ich wirklich wieder einen Kleiderschrank der kaum zugeht? Oder lieber nur einige wenige, dafür ausschließlich gut überlegte Kleidungsstücke die genau zu mir passen und die sich perfekt miteinander kombinieren lassen?



Bitte nicht falsch verstehen: 

Mein Wunsch nach neuem ist immer noch sehr groß. Dafür probiere ich mich viel zu gerne in neuer Kleidung, in anderen Farben und in ein bisschen Abwechslung. Ich bin typisch Zwilling, flatterhaft und erfinde mich einfach viel zu gerne neu. Ich kann auch nicht garantieren das das jemals aufhören wird.
Doch ich möchte bewusster kaufen, weniger überflüssiges. Ich möchte viel weniger, dafür viel nachhaltiger konsumieren.

Flohmärkte und Second Hand Shops, hier ist die Niederlande uns schon wieder ein großes Stück voraus, sind ganz wunderbare Möglichkeiten nach gebrauchten, oft hochwertigen Kleidern Ausschau zu halten. Oft stöbere ich auch online und kann hier oft sogar noch handeln. Wenn man sich in der Größe usw. nicht sicher ist kann man nach Kleiderlänge, Brustweite usw. fragen.

Ich habe zwar schon mit wenigen Nadelstichen ein paar Kleinigkeiten umändern müssen, war aber noch nie enttäuscht. Ganz im Gegenteil, die gebrauchten Sachen waren wunderbar griffig und weich, und durch das häufige waschen der Vorbesitzerin wurden bereits viele Schadstoffe heraus gespült. Sollte das neue gebrauchte Kleid wieder erwarten nicht passen oder mir nicht stehen, stelle ich es wieder online und verkaufe es weiter. Das macht unglaublich viel Spaß und es passieren manchmal die erstaunlichsten Geschichten.
So wollte ich unbedingt dieses weiße Kleid einer schwedischen Designerin, freute mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten und Ostern zusammen als endlich das besagte Päckchen kam. Das Kleid war von feinster Qualität und wirklich wunderwunderschön. Aber ich konnte mich vor dem Spiegel drehen und wenden wie ich wollte.
Es. stand. mir. nicht.

So ging es wieder auf Reisen und durfte, wenn auch schweren Herzens, zu einer anderen Kleiderfreundin weiterziehen. Und was soll ich euch sagen:
Dieses Kleid hat es sogar bis ins Fernsehen geschafft! Denn keine andere als Enie van de Meiklokjes backt heute darin ganz, sweet an easy, auf auf sixx ihr fluffigstes Gebäck.
Passt ;-)



Ich wünsche euch die allerschönsten Sommergeschichten,
xx


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7 Kommentare

  1. Ich wünsche Dir einen wunderbaren Urlaub liebe Elke.
    Bringe schöne Bilder mit, viele neue Ideen und vielleicht auch ein neues weißes Kleid...
    Man weiß ja nie, was einem im Urlaub über den Weg läuft.
    Dir einen schönen Abend, ganz lieben Gruß
    Nicole

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  2. Die Schuhe sind wirklich toll, solche hatte ich auch mal als ich Ratschings Hotel gefahren bin :)

    http://www.gassenhof.com/

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  3. Mir ging es vor einigen Jahren ebenso. Ich bin erstickt in vielen Dingen und habe dann begonnen, mich von vielen Dingen zu trennen. Das ist ein Prozess, der immer noch andauert. Auch umgekehrt versuche ich mein Einkaufsverhalten zu ändern, was gar nicht so einfach ist. Aber man muss dem ganzen wohl Zeit geben.
    Ich wünsche Dir einen wunderbaren Urlaub!
    Herzliche Grüße
    Steffi

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  4. Ach, eines der Themen, die mich auch seit Jahren schon beschäftigen: Weg mit allem, was man nicht braucht und höchstens Platz und Luft zum Atmen verschwendet! ;oD Und genauso lange reduziere und minimiere ich schon. Ein herrliches Gefühl, wieder so viel Raum zu haben! Und mein Konsumverhalten hat sich auch geändert. Ich war noch nie jemand, der alles haben musste und sinn- und zweckbefreit vor sich hinshoppte. Jetzt aber kommen mir wirklich nur noch Dinge in die Tüte, die ich a) wirklich brauche oder b) mir von Herzen wünsche. Was Klamotten anbelangt war es in diesem Jahr genau 1 Stück bisher. Das geht, glaube ich! *gg*
    Steffi hat ganz recht: Das sind Prozesse, die nach viel Zeit verlangen. Hauruck ist an dieser Stelle nicht das Richtige, man könnte im Eifer des Gefechtes Dinge verbannen, die man eigentlich noch bräuchte. Und Geduld ist ebenso wichtig: Immer schön eins nach dem andern! Wir sprechen hier nicht von Tagen oder Wochen- es könnte sich deutlich länger hinziehen, sein Leben zu entrümpeln! Denn schlussendlich geht es ja nicht nur um Dinge, die zuviel und einengend sein können, sondern auch Beziehungen, die sich totgelaufen haben, oder eingeschliffene Verhaltensmuster, die einem belasten. Sich davon zu trennen ist etwas schwieriger als eine Vase ins Brockenhaus zu bringen.....
    Ich kann jedem nur empfehlen, Klarschiff zu machen! Es tut so gut- einem selber und unserem Planeten ausserdem! Denn alles, was gar nicht erst hergestellt und gekauft wird oder als Secondhand eine längere Lebensdauer bekommt belastet unsere Natur nicht.
    Ich wünsch dir wundervolle Tage (in Frankreich??;oD) und schicke ganz herzliche Grüsse!

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  5. Da wünsche ich Dir einen schönen und erholsamen Urlaub!
    Mein Kleiderschrank hat auch eine Schlankheitskur hinter sich, allerdings weil meine Kleider nicht mehr passten. So manches Stück hätte ich gerne noch behalten, weil sie mit Freude und Bedacht gekauft wurden. Nun ja!
    Inzwischen nähe ich wieder viel, weil ich endlich wieder einen guten Kurs gefunden habe. Da ist jedes Kleid ein Unikat und mit Liebe gefertigt. Und im Schrank ist noch Platz.....
    Lass es Dir gut gehen - alles Liebe
    Gudrun

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  6. Hallo Elke,
    kann dich da so gut verstehen! Bin auch in letzter Zeit im Reduziermodus und es wird sich von Dingen getrennt und das ganz massiv. Aus Nachhaltigkeitsgründen wird wie immer so wenig wie möglich weggeworfen, sondern ganz bewusst verschenkt und gespendet. Auch einen Urlaub kann man dann viel entspannter angehen, denn das Minimalisieren des Alltagsgerümpels befreit so wunderbar. In 2 Wochen sind auch bei uns Sommerferien und die große Freiheit will ebenfalls mit einem Scharnkausmisten begrüßt werden. Altes raus und Platz für Neues!
    Genieß deine Zeit und hab einen wunderbaren Urlaub!
    Solveig

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  7. Ja, da erkenne ich mich wieder. Häufig wollte ich mir "was Gutes tun" und hab was (neu) gekauft, was ich im Leben NIEMALS nie anziehen würde. Irgendwann hab ich mal den Spruch einer Bekannten bekommen: überlege, ob es Dein Lieblingsstück werden könnte. Und genau so mache ich es heutzutage. Manchmal gehe ich auch erst wieder aus dem Laden, renne dreimal um den Blog und weiß dann: ich will es oder eben nicht. FUNKTIONIERT!
    ABER ich hab auch manches 3x im Schrank: z.B. weiße Leinenhemdblusen - die LIEBE ich und will immer eine griffbereit haben. Aber bei mir werden Kleidungsstücke auch alt - ich schleppe sie, bis sie mir vom Leib fallen und darüber hinaus - heutzutage ist der "Usedlook" kein Problem mehr und am Ende dann sogar noch im Garten und bei der Arbeit - weil, sie dürfen ja schmutzig werden.
    Und Second-Hand kaufe ich schon ewig - in Berlin war das ohnehin nie ein Problem und jahrelang hab ich sogar mit gebrauchter Designer-Kleidung mal gehandelt gehabt. Der Absatz war damals reißend.
    Ich wünsche Dir einen wunderbaren Urlaub - erhole Dich gut und vor allem, komm mit schönen Erinnerungen wieder!, Jacqui

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