Falls es noch nicht allen aufgefallen ist: Ich bin seit einigen Tagen wieder zurück von meinem Italienurlaub, bin wieder im Alltag gelandet und obendrein hat mich ein fetter Sommerinfekt erwischt. Neben Halsschmerzen und Schüttelfrost, bei knapp 27 ° C im Schatten, habe ich nun keine Stimme mehr und, am alleschlimmsten, ärztliche Schweigepflicht.
Echt jetzt!
Ich. darf. vorerst. nicht. sprechen.
Kein Wort. Nichts. Nothing.
Warum werde ich das Gefühl nicht los, das es meinen Liebsten ein klein wenig freut und die Leute vom Nachbarbalkon gerade denken, wir hätten einen handfesten Ehekrach. Weil wir nicht mehr miteinander sprechen.
So entstehen oft die tollsten Gerüchte ...
Anstelle meines gewohnten Monatsrückblicks nehme ich euch heute an meine Hand und entführe euch vorbei an alten Gemäuer durch enge Gassen über sanfte Hügel und Felder. Ich schlendere mit euch durch kilometerlange Pinien-und Zypressenalleen und durch friedliche Landschaften. Durch eine einfache, ehrliche, zeitlose Schönheit.

U m b r i e n .
Und ich hatte beinahe vergessen wie schön Italien ist!
Vorab: Auf meiner Liste der Orte, die man im Leben einmal gesehen haben sollte, tauchte Umbrien nicht auf. Geographisch betrachtet war ich mir auch nicht ganz sicher wo es liegt.
Klar, Assisi war mir ein Begriff. Jeder kennt den heiligen Franziskus. Auch der Trasimeno See war mir ein Begriff. Aber wo das genau liegt? Ehrlich: Hätten Sie`s gewusst?
Na dann kommen`Se mal mit:







Umbrien ist nicht ganz so sanft wie die Toskana. Der Charme Umbriens ist vielleicht eher etwas nachdenklicher, spröder. Ja, so kann ich es stehen lassen.
Die Lage: Umbrien ist eine italienische Region die an die Toskana, das Latium und die Marken angrenzt. Sie wird auch als das grüne Herz Italiens bezeichnet. Wo man auch hinschaut, erwartet einen neben viel Geschichte fantastischen Aussichten auf dichte Wälder und grüne Hügellandschaften, an denen mittelalterliche, honigfarbene Dörfer kleben.
Umbrien ist eine Region, die mit ihren Zypressen, Pinien- und Olivenbäumen zum Entdecken und träumen einlädt. Hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten, egal ob als Ruhesuchender oder Aktivurlauber. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Verwinkelte Gassen mit entzückenden Bars, schmale Treppen, steinerne Brunnen und Rundbögen sind typisch für die gesamte Region. Dazu kommt ein Duft des weißen Jasmins, der hier überall an den Häusern entlang klettert.


Die Küche: Olivenöl, Kicherebsen und Linsen aus den Hochebenen um Castelluccio, schwarzer und weißer Trüffel sowie ein würziger Pecorino sind die typischen Kennzeichen der umbrischen Küche.
Nicht zu unterschätzen ist der Wein, der aus den hiesigen Weinreben gemacht wird.
Prägte einst der Glaube Umbrien so wird es heute wegen seines guten Weines geschätzt.
Die vollmundigen Weine aus diesem Gebiet sind mittlerweile weltbekannt und gehören unter Weinkennern zu den besten, die der gesamte italienische Weinbau hervorbringt.
Souvenirs: Überall werden neben handgemachter, bunter Keramik viele praktische Dinge aus Olivenholz angeboten und zum Teil überteuerte Leinenwäsche. Wer also nach Umbrien reist, reist nicht dorthin um zu shoppen.
Hier konnte ich für mich wieder einmal sehen, das man mit viel weniger auskommt als man zuhause angehäuft hat. Eine sehr wertvolle Erfahrung. Das wichtigste ist doch, jeden Moment in seiner Fabelhaftigkeit zu leben. Denn nur darauf kommt es im Leben an.
Die Dörfer. Hier lassen wir uns immer gerne aus dem Bauch heraus leiten. Der Reiseführer kennt ja nun mal nicht alle unsere Vorlieben. Nämlich diese kleineren, unscheinbaren Bergdörfer. Wo die Alten auf den Plätzen sitzen, ihre Arme auf einem Stock gestützt ihren tagtäglichen Plausch halten.
Montefalco, auch als Balkon Italiens genannt, bietet einen atemberaubenden Blick über die Feldebenen von Perugia bis Assisi.
Paciano, vielleicht eines der schönsten Bergdörfer Italiens.
Panicale schmiegt sich malerisch an grüne Hügel und ist wirklich ein ganz verträumtes Dörflein.



Bevagna, Bagni di San Filippo, Cortona, San Feliciano und das überaus malerische Spello mit seinen unzähligen, verwinkelten Gassen wo die Häuser mit blühenden Geranientöpfen geschmückt sind, laden zum gemütlichen schlendern und entdecken ein.
Orvieto ist zweifellos eines der schönsten Bergdörfer die wir in Umbrien besucht haben.




Assisi ist bekannt als die Geburtsstadt des heiligen Franziskus, dem Schutzpatron der Tiere und der Umwelt.
Franziskus, Sohn gut betuchter Eltern, entschied sich nach einer ausschweifenden Jugend für ein Leben in völliger Askese, entsagte allem weltlichen und gründete später den Franziskanerorden. Assisi ist mit seiner Basilica San Francesco, ist bis heute ein wichtiger Wallfahrtsort geblieben und ist ein Magnet für Pilger aus der ganzen Welt. Auf den Straßen geht es zu wie in einem Bienenkorb und es macht Spaß, sich hinter seiner Sonnenbrille zu verstecken und bei einem Cappuccino diesem Treiben zu zusehen.

Auch einen Abstecher nach Castiglione del Lago sollte man unbedingt einplanen. Ein charmanter Fischerort, besonders am Abend, wenn überall die Lichter angehen. Hier lässt es sich herrlich entlang des Trasimeno flanieren. Hier kann man mit der obligatorischen Eiswaffel in der Hand die allerschönsten Sonnenuntergänge bestaunen.
Was für ein schöner Moment einfach!





Die Unterkünfte: Hier lasse ich mir immer Zeit um wirklich etwas passendes zu finden. Es ist wie bei einem Puzzle, alles muss sitzen und perfekt zusammen passen. Wir suchen immer einen ruhigeren Rückzugsort und hier darf es auch gerne etwas, nun sagen wir mal, ausgefalleneres sein.
Unsere erste Urlaubswoche verbrachten wir in einer älteren Villa. Besser gesagt in deren Pförtnerhäuschen. Hatten wir Lust zum schwimmen, so führte unser Weg über eine ausladende Steintreppe durch einen verwunschenen Park mit steinernen Brunnen und einem alten Zypressenbestand. Gleich neben der Villa gab es ein Restaurant mit Produkten aus der Region, mit selbst angebautem Salat und Gemüse, mit eigenem Olivenöl.
Andrea war ein wundervoller Gastgeber und las uns wirklich jeden Wunsch von den Lippen ab.






Zweite Woche, zweite Unterkunft, nämlich in einem ehemaliger Turm. Dieser lag unterhalb eines alten Jagdschlosses. Im Turm wohnte einst der erste Aufseher, der die Feldarbeiter der höheren Herrschaften, denen dieses Land gehörte, überwachte.
Unser Ferienhaus hätte viel schöner nicht sein können. Die Besitzerin hat hier für sich und ihre Feriengäste mit ihren eigenen Händen einen Traum geschaffen, den ich mit Worten nicht zu beschreiben wage.
Jedenfalls war es ganz nah am Himmel!
Alleine der Weg zu unserem Turm, eine zwei Kilometer lange Zypressenallee, sorgte bei mir immer wieder für Ehrfurcht und Gänsehaut.
Von unserer Terrasse aus hatten wir einen fantastischen Blick über den Trasimeno. Alleine dafür gibt es schon fünf Sterne. Wer will bei diesem Blick schon freiwillig dieses herrliche Fleckchen verlassen um fein in einem Restaurant zu speisen?
Bei diesen Tischgästen?
Ich hätte sie am Liebsten alle eingepackt.










Pssst. Hier noch jemand wach?
eine Lieben. Ich glaube manchmal braucht es gar keine großen Worte, keinen Lärm und leeres Geschwätz. Da soll man einfach, La dolce vita, genau diesen einen, einzigartigen Moment geniessen.
Dsa schönste Wochenende. xx, Meisje





