Postcard from Brittany II
Meine Lieben, herzlich Willkommen zur zweiten Etappe meiner persönlichen Tour de France. Bevor wir unsere Badetücher und den Korb mit Büchern, Sonnencreme, Wasser und frischem Obst schnappen um die weitläufigen Strände unsicher zu machen, hier zunächst die Auflösung der Fahrradgeschichte.
Zuhause bin ich gerne mit meinem Fahrrad unterwegs. Ich fahre ein mattschwarzes holländisches Modell, Sattel und Lenker in butterweichem Leder. Auf dem Gepäckträger ist ein Fahrradkorb, aus Amsterdam, befestigt. Für kleinere Einkäufe oder Blumen und Gräser, die ich unterwegs finde.
Ich habe und hatte noch nie große Ambitionen, kilometerlange Strecken zu radeln oder eine bestimmte Leistung dabei zu erbringen. Radeln dient mir ausschließlich dem Spaß und der Gesundheit. Ich fahre kein teures Bike mit Hilfsmotor, ich fahre noch richtig, und das ohne Schnickschnack wie Herzfrequenz-, Pulsmessgerät oder iPod. Ich genieße die frische Luft die um meine Nase weht und das angenehme Brausepulverprickeln auf der Haut, wenn der Fahrtwind mich angenehm kühlt. Ich fahre ohne Warnweste, statt eines Helms trage ich höchstens einen Dutt auf dem Kopf. Bei meinem Tritttempo lasse ich mich von nichts und niemanden aus der Ruhe bringen, auch wenn ich unterwegs zehnmal überholt werde. Ich messe mich mit Keinem und Niemanden. Wozu auch?
WO IST ALSO DAS PROBLEM? Ähem ....die unterschätzte Bordsteinkante ;-(
Diagnose: Ellenbogenbruch, Gipsschiene rechts und, ungelogen, zwei DIN A4 große Schürfwunden an den Knien. Seitdem mache ich eine Umschulung zur Linkshänderin. Dem Fahrrad geht`s immerhin gut. Praktisch wie neu.
Mit dem Steigen der Flut peitschen hohe Wellen gegen die vorgelagerten Felswände und boten uns ein beeindruckendes Schauspiel, von dem ich einfach nicht genug bekommen konnte. Immer wieder zog es mich ans hinunter ans Meer, welches praktischerweise etwa 300 Meter von unserem Ferienhaus zu erreichen war. Egal zu welcher Tageszeit ich am Wasser war, die Stimmung war durch das Licht und die Farben jedesmal eine ganz andere. Abends tritt das blaßblaue Wolkenkaleidoskop zurück, und der Tag wechselt zu einem dunstigen Grau. Bis er schließlich der untergehenden Sonne die Bühne überlässt ist es beinahe 23 Uhr.
Die gesamte Atmosphäre entlang der bretonischen Küste lässt sich mit am besten mit einem Wort beschreiben: WILDROMANTISCH!
Je nach Licht hatte man das Gefühl, ganz woanders zu sein. An der Côte d'Azur zum Beispiel, in Irland oder Cornwall vielleicht, wo die Landschaft im Küstenbereich genau wie hier in der Bretagne von einer ganz eigenen Heidelandschaft geprägt ist.
Es ranken sich viele Sagen um dieses Fleckchen Erde und die magischen Wälder Frankreichs. An eine davon musste ich immerzu denken, wenn sich bei Ebbe kleinere Inseln aus dem Wasser ragten: Man sagt als die Menschen in ihrem Egoismus den Zauberwald der Feen abholzten, verließen die geheimnissvollen Wesen ihre Heimat. Aus ihren salzigen Tränen die sie daraufhin weinten, bildete sich ein Meer und ihre Haarkränze wurden zu vielen kleinen Inseln.
Ich fürchte, das da noch viele schöne Sagen und Legenden in der Weite der Bretagne auf mich warten und ich mindestens noch einmal zurück an diese magischen Plätze werde kehren müssen. Träume und Wünsche sollte man nkeinesfalls ignorieren.
Pssst, noch jemand wach?
Im nächsten Post verrate ich euch praktische Lifehacks für Gipsträger. Und wie man einem Mann den Unterschied zwischen einem Shampoo und einem Conditioner erklärt ...






































