Das vergessene Frankreich: Die Provence

06 Juli

Mon dieu, kaum habe ich einmal mit dem Finger geschnippt, und zack, ist der Juni auch schon wieder Geschichte!


Meine Lieben, es wird allerhöchste Eisenbahn für einen kleinen Monatsrückblick.
Bitte nehmt alle Platz, lehnt euch zurück und besorgt euch ein Glas eisgekühlten Rosè denn wir verreisen. Oh Oui,  wir machen einen Ausflug in die malerische Provence. Ihr haben wir im Juni unsere Aufwartung gemacht.

Willkommen bei meinem Monatsrückblick Juni

 Willkommen in der Provence:

Viel zu gerne kommt im Alltagstrott die Kunst des entspannten Lebens irgendwie abhanden. Man kann sich vornehmen cool zu bleiben, aber irgendwer oder irgendwas schnappt sich den Rotstift und macht einem den berühmten Strich durch die Rechnung. Cut! L'art de vivre. Ich verbrachte vierzehn Tage in dem hintersten Zipfel der Provence.





Die Provence begrüßt einen wie eine Geliebte. Verschwiegen und verschlafen. Man möchte sie behutsam küssen um sie nicht aufzuwecken. Wirkt sie auf den ersten Blick doch ein bisschen müde und gebrechlich. Sie erinnert zwar an eine alternde Diva, behält sich das Image einer Stilikone aber sehr hartnäckig: Sie ist und bleibt eine elegante Französin!

L'art de vivre. Sie versteht die Kunst des einfachen Lebens wie kaum eine andere.
Tupft sich ein bisschen Lippenstift auf ihren Mund und zieht zielsicher im Halbdunklen ein paar Sachen aus ihrem Kleiderschrank. Nichts schrilles oder rüschiges, nein. Sie präsentiert sich in einer unangestrengten Eleganz. Einfach, reduziert und unaufgeregt chic. Et voila. Seht nur, hier bin ich!
Man muss einfach nur genau hinschauen, um ihre Schönheit zu erkennen. Dann wird man sie lieben wie keine andere.

 




Wir hatten ein charmantes Ferienhaus in einem kleinen Weiler, direkt an einem Lavendelfeld gelegen.
Wir waren ohne WiFi, ohne deutschen Radio- oder Fernsehempfang und bei Gewitter oft ohne Strom und fließend Wasser. Es war absolut still um uns herum, es gab eigentlich überhaupt keine Fremdgeräusche. Ich musste manchmal mit den Fingern schnippen nur um auszuschliessen, ob ich nicht eventuell einen Hörsturz hatte.


  





Frankreich bedeutet für mich ein Croissant mit einem Klecks Aprikosenmarmelade, eine Schale Milchkaffee in dem kleinen Cafè an der Ecke, ein runder Bistrotisch mit Baguette beladen, mit Olivenpaste, in Öl eingelegtem Ziegenkäse, Lavendelhonig und luftgetrocknetem Schinken, ein Glas eisgekühler Rosè.
Frankreich bedeutet Laissez faire. Kleine Lädchen mit gestreiften Markisen und klapprigen Postkartenständern darunter.






Weiches Licht, wie zufällig hingewürfelte Dörfer, enge Gassen, magere Katzen .... 




   

 










Mir haben es vor allem die kleinen Dörfer angetan, hier wo die Uhr in Zeitlupe tickt und man fernab vom Touristenrummel und in einer Seelenruhe durch vergessene Kopfsteinpflastergassen bummeln kann.





 
  


 Simione La Rotonde, Lurs, Viens, Le Barroux mit seinem herrlichen Schloss, seinen unzähligen Brunnen und dem schönsten The Salon den ich je betreten habe.



Lacoste und Bonnieux, beide sehr charmant und unbedingt einen Abstecher wert! Ganz in der Nähe liegt Lourmarin, hier finden sich auch zahlreiche kleine Künstlergeschäfte.

 



 
 


Das Felsendorf Saignon könnte mit seinem vermoosten Brunnen nicht nostalgischer sein!

Einen besonders hübschen Markt haben wir in St. Saturnin Les Apt entdeckt. Überall duftete es nach Seifen und Kräutern, nach würzigem Käse und luftgetrockneter Salami.
Tipp: Am besten kauft man hier NACH dem Erklimmen der Schlossruine ein. Ich habe natürlich drei Kilo Seifenstücke, eine Tüte mit Aprikosen und das Baguette den ganzen Berg rauf- und wieder runter geschleppt.

 
 
 


Einen größeren Wochenmarkt findet man in Forcalquier. Die Zitadelle bietet ein atemberaubendes Panorama.


 



Eine pittoreske Schlucht, die an Dramatik nichts zu wünschen übrig lässt bieten die Ockerfelsen von Rustrel. 


  

  

 
 

Ein Örtchen zum verlieben ist Venasque. Die mit Rosen geschmückten Brunnen waren Romantik pur und wie gemacht für ein erfrischendes Rosenblütenbad. Ausgerechnet da hatte ich natürlich keine Seife dabei. Nicht ein Stück!




 






(  ... war ja so klar...!)



Banon ist bekannt durch seinen in Kastanienblätter eingewickelten Ziegenkäse. Tipp vom charmantesten Banonverkäufer in ganz Banon: Dieser weisse Käse wird mit Kartoffeln und einem Glas Weißwein serviert, nicht wie wir dachten auf frischem Baguette ... böse Touristenfalle!!!





 
  
(....  ich habe vermutlich den Dorfältesten erwischt ;-)




Aus jedem Reiseprospekt kennt man die Abbaye de Senanque und natürlich wimmelt es hier nur so von Touristen aus der ganzen Welt. Im Vergleich mit unserem Weiler ging es dort wirklich zu wie auf der Champs-Èlysèes. Aber sie gehört unbedingt auf die To Do Liste jedes Provencereisenden.




Beinahe hätte ich noch etwas gaaaanz wichtiges vergessen. Die Provence trägt immer einen ganz besonderen, unverkennbaren Duft. Sie riecht nach wildem Thymian der wie kleine Polster auf den Wegen wächst. Es duftet nach Rosmarin, nach Ginster, nach Wachholder und dem würzigen Aroma der Kiefer.


Und hinters Ohr tupft sie sich ... Na, Finger hoch. Wer weiss es ...?













Das schönste Wochenende, tout va bien!
XOX,  Meisje ; *


 

 


 

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10 Kommentare

  1. Das sind wieder Bilder, die mich gleich entführen...wie schön das ist, bei Dir zu lesen. Gleich bekomme ich so eine kleine Sehnsucht, ein grosses Glücksgefühl und fühle mich wohl. Das wäre auch ein Urlaub ganz nach meinem Herzen...
    glg Susanne

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  2. Deine Bilder sind zauberhaft. Sie machen sofort Lust auf eine Reise in die Provence.
    Ich wünsche dir einen schönen Samstag.
    Liebe Grüße
    Tina

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  3. Liebe Meisje, obwohl ich noch nie in der Provençe war, obwohl ich Hitze gar nicht mag und das Reisen an und für sich auch nicht unbedingt, so gibt es doch einige Flecken auf der Landkarte dieser Erde, mit denen ich mich seltsamerweise ausgesprochen verbunden fühle. Einer davon ist die Provençe. Beim Anblick deiner Bilder fühle ich mich, so seltsam das auch klingen mag, wie wenn ich Bilder (m)eines ZUHAUSES anschauen würde. Diese alten, wunderbarer Häuser, die verwinkelten Gässchen, die Lavendelfelder.....sie rühren meine Seele an. Und den Duft, den du beschreibst, der steigt mir gerade warm und würzig in die Nase, obwohl ich ihn noch nie in dieser Zusammensetzung gerochen habe. Kann es vielleicht sein, dass ich in einem früheren Leben mein Dasein in der Provençe verbrachte?? ;oD Wie auch immer, ich könnte mir durchaus vorstellen, in diesem Landstrich zu leben. Denn in meinem Innersten bin und war ich schon immer eine Française, und gerade in den letzten Jahren habe ich dieses Savoir vivre, das den Franzosen so sehr eigen ist, mehr und mehr in mein Leben eingebunden- und lasse es auch nicht mehr gehen! Diese einfache, bodenständige und doch so angenehme und genussvolle Art zu leben ist eine wahre Bereicherung. Ein Croissant und einen Cafè au lait zum Frühstück, ein Ratatouille, bei dem der Duft der Herbes de provençe aus der Pfanne steigt, zu Mittag- so unspektakulär und doch so grossartig! Und wer die Vorzüge handgesiedeter Seifen erst einmal entdeckt hat, wer sich auf dem Markt mit frischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen eingedeckt hat, wer erkennt, wieviel Wunderbares im Einfachen, aber Echten steckt, der wird nie wieder was anderes haben wollen.
    Merci pour cet voyage en image, bon fin de semaine,
    cordialment, la Mme. Bourdon ;oD

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    1. Ach! Übrigens habe ich gerstern 5 Töpfe Lavendel gekauft- du ahnst, wie herrlich mein Autochen auf der Heimfahrt geduftet hat! Ich liebe, liebe, liebe Lavendel, und die Bienchen, Hummeln und Schmetterlinge im Garten werden sich auch drüber freuen. Herrlich, wenn man im Herbst dann die Blüten abschneiden und in Duftsäckchen füllen kann......haaaachzzz!!

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  4. Meisjelein Liebes, ich habe Deinen Post gespeichert, damit ich dieses Paradies bloß nicht aus dem Augen verliere. Ein Traum ist das und du warst da und hast du dass alles mit eigenen Augen gesehen… seufz!
    Es sind Traumbilder, die mich in eine andere Welt entführen, in eine vergessene Welt, die mit unserer modernen Zivilisation scheinbar wenig zu tun hat. Zumindest die Hülle, die Häuser, die alten Mauern, das Zerbrochene, die Fragmente…
    Es sind so viele Bilder, die mich schwärmen lassen und träumen lassen! Zum Beispiel das mit dem schiefen Baum. Hier wurde man den Baum sicherlich begradigen wollen… und dort kann er sich frei entfalten und wenn es schief ist, dann ist das so.
    Und deine Katzenbilder, so schön!
    Sowas zu sehen und zu erleben ist noch ein Traum von mir, weil zuerst ist noch die Wohnung, die noch mehr ein Märchen werden muss ist, aber dann möchte ich auch das erleben. Ich finde es schön, dass du die Ortschaften genannt hast, so kann ich, wenn es so weit ist, auf Meisjes Spuren mich in die Provençe begeben… seufz!
    Ich finde keine Worte mehr, bin so geflasht und werde mir deine Bilder stundenlang anschauen…
    Danke für diesen Traum!!!!!
    Hab wundervolles Wochenende, deine Grażyna

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  5. Hallo, wie schön diese Bilder anzusehen sind! Sie wecken Erinnerungen an meine Provence-Reise vor 2 Jahren. Viele Orte, die Du liebe Meisje beschrieben hast, habe ich schon gesehen und mich nun lebhaft erinnert.
    Danke für diese schöne Reiseerinnerung. Viele Grüße, Pia

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  6. Wunderschöne Bilder und Texte - dankeschön!
    Ich sitze gerade mit einem Glas Rotwein auf der Terrasse meines bezaubernden Ferienhauses in der Bretagne und es ist um 22:40 Uhr noch hell. Der Tag war schön und Frankreich ist so ein herrliches Land. Viele Ecken habe ich schon gesehen und ich komme immer wieder gerne hierher.
    Herzliche Grüße
    Britta

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  7. Liebe Meisje,
    ich habe es sehr genossen, den schönen Fotos und vor allem den Worten zu folgen.
    Wundervoll hast du das geschrieben. Ich hätte die Augen dabei schließen und mir dazu die Bilder denken können.
    Das Örtchen und besonders das Häuschen könnten nicht besser sein, um den Kopf frei zu bekommen und sich mit allen Sinnen dem wahren Leben hinzugeben.
    Ich freue mich sehr für dich, dass du solch eine wunderbare Zeit hattest.
    Sei ganz herzlich gegrüßt von Heike

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  8. Ah, liebes Elflein, da sitzt Du am Brunnen und bist so wuuuuunderschön :)) So urlaubswonnig, von Sonne durchstrahlt und glücklich und stolz. Das ist sooo schön. Über den "Dorfältesten" hab´ ich mich gekringelt, genauso wie ich einmal mehr über Deine Zauberworte staunte, Deine Hymne an die Provence.
    Ich war tatsächlich einen Moment da - kurz nur, das liegt daran, dass ich nie da war, aber dennoch, es ist zu mir etwas ganz Provenceliges herübergehüpft.
    Jenseits der Touristenpfade.
    Es hat auch Dich berührt, und so sinnlich dieser Post ist, Du, ich mache nun ein paar Tropfen Lavendelöl auf die Lavendelsträuße über meinem Sekretär - und denke an Dich :)) Deine Méa

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  9. Deine Bilder verleiten mich dazu, den Koffer rauszukramen, zu packen und einfach loszudüsen. Herrlich schön! Danke für die tollen Eindrücke. Liebe Grüße Yvonne

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