Früher ...

24 Mai


Früher war insgesamt alles besser.
Früher war nicht so nah an der Zukunft wie heute.




Vorweg: Ich mag es in Erinnerungen zu schwelgen und bin davon überzeugt, keine andere kann das so gut wie ich. In meinem Kopf sind immer wieder diese Tuschkastenbilder von früher die dafür sorgen, das ich das Nostalgische feiere wie ein Kind seinen Geburtstag. 
Man muß nämlich folgendes wissen:
Früher war alles insgesamt besser.
Einfacher.
Bescheidener.
Schöner. 
Größer.
Intensiver. 
Leichter.
Sinnvoller.
Stressfreier.
Wertvoller.

Kommt dir das irgendwie bekannt vor?
Dabei kann dieses "Früher" kaum jemand genau datieren. Das war irgendwo zwischen Kindheit und erwachsen werden.
Früher halt.
Und weil es so schön war möchten wir uns das bewahren bis heute. Wenigstens noch so ein bisschen davon.

 

 

Nun ist gerade wieder so eine Art Gute alte Zeit Bewegung ins Rollen gekommen: Wir finden stricken und nähen wieder toll, so wie es die Oma gemacht hat. Wir gärtnern wie sie, wir üben uns im selberbauen wie es der Vater gemacht. Es wird wieder nach alten Rezepten gebacken und eingekocht wie es die Mutter getan hat um damit die laute, rasende Welt um uns herum ein wenig abzufedern. Um uns so ein bisschen selbst zu retten.

 

Ja, ich möchte bis heute noch manchmal baden in dem warmen Gefühl Erinnerung.
An unaufgeregtere Zeiten.
An weniger Müssen.
An weniger höher, schneller, weiter.
An weniger Vorgaben, Deadlines und Zwängen.
An weniger Erreichbarkeit, weniger Technik, weniger App und mehr Empathie.

Und nicht in ständiger Not über das fehlende Netz für unseren kleinen Apparat mit dem Apfellogo, den blinkenden Akku oder ständig noch irgendetwas erledigen zu müssen.

Auch wenn ich in meinem "Früher" eine pieksende Zahnspange trug, kratzende Kniestrümpfe und die abgelegten Kleider meiner Schwestern (mit Schulterpolstern ;-). Auch wenn ich doppelte Dreisatzaufgaben weder kapierte noch mochte und ein ständiger Liebeskummer an mir nagte.

Ich meine, da wird heute rumgeheult weil der Schwarm auf deine WhatsApp nicht reagiert. Stell dir vor, früher musste man nochbei ihm zuhause auf dem Festnetz anrufen. Und in der Regel war immer der Vater dran.
Später musste man seine Love for ever SMS löschen um eine neue zu bekommen. Bei zehn Kurznachrichten war nämlich der Speicher erschöpft.
In meiner Jugend waren freie Knöchel ein Zeichen von falscher Hosengröße und ich empfand das  bei -5 ° C eher peinlich.  
Ich erinnere mich an die Momente als ich klein war und noch zehn Minuten fernsehen durfte. Nach fünfzehn Minuten habe ich dann ganz leise weitergeatmet in der Hoffnung, das meine Eltern mich vergessen haben.


  
 
 

Früher war nicht so nah an der Zukunft wie heute.
xxx, Meisje

 

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16 Kommentare

  1. Hach ja früher..... bin gerade in einer Phase mir ist alles insgesamt zu wuselig. Und ja du hast deiner Freundin eingebleut ja nicht zwischen 5 und 6 anzurufen, nicht dass der Vater beim Fussballschauen gestört wird und heute.... Whatsapp und Co kennen da keine Grenzen.

    Höher, schneller, weiter, besser und Co. ist nicht meins. Am liebsten eine kleine Hütte mit Wald und dann ein kleiner Weg und man ist an einem Wasser und zum nächsten Kontakt muss man einfach ne halbe Stunde mit dem Fahrrad oder oder oder...

    Ich finde heute kann man gar nicht mehr so richtig abschalten. Dauernd ist irgendwo ein blink blink... Ich versuche schon mir meine Freiräume zu schaffen, Zeit für mich zu nehmen, Achtsamkeit mir und den anderen gegenüber zu üben, aber es fällt nicht so leicht mit dem ganzen drumherum wie früher....

    Es geht doch nichts über eine einfache Hühnerbrühe mit dünnen Suppennudeln ohne Schnickschnack.

    LG
    Ursula





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    1. Davon träume ich auch liebe Ursula, von so einem kleinen place to be mitten im Grünen oder ganz dicht am Meer. Wie du schreibst ohne Schnickschnack drumherum, um sich wirklich nur mit dem hier und jetzt zu befassen. Ich glaube das würde manch einem guttun, einfach nur um sich wieder zu erden und zu überlegen, was wirklich wichtig ist. Ich glaube, das haben einfach viel zu viele vergesssen.
      Schön liebe Ursula, das du hier gewesen bist, xx

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  2. Ich liebe Gewohntes zu zelebrieren und mit Nostalgie den Alltag ein wenig zu brechen... dein Beitrag inspiriert und weckt Sehnsucht nach vergangener Leichtigkeit.... und motiviert .... mich gerade wieder danach zu suchen..... liebe Grüße Anette

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    1. Liebste Anette, es bedeutet mir so viel was du schreibst, denn gerade in der letzten Zeit habe ich so oft das Gefühl da wir in vielen Dingen ganz ähnlich ticken. Lass uns das bewahren!
      xx, dein Meisje

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  3. Hmmm...stellt sich mir die Frage: Haben wir nicht selber ganz viel Einfluss darauf, wieviel "früher" Einzug hält in unser Leben im Hier und Jetzt? Ich bin der Überzeugung: Ja! Mit wenigen Einschränkungen- die meisten von uns müssen einem Job nachgehen, und der kann mitunter doch recht viel Hektik in einen Alltag bringen. Trotzdem: Abends, wenn die Kliniktüre hinter mir ins Schloss fällt, oder an meinen Freitagen, da bestimme ICH, was passiert. Wenn ich das dringende Bedürfnis habe, "ja nichts zu verpassen"- nun, dann muss ich vielleicht auch in Kauf nehmen, dass ich nicht zur Ruhe komme. Wenn ich mir aber selber genüge, wenn der Natur meine Liebe gehört, wenn ich einfach auch mal die Zeit rollen und mich überraschen lassen kann, was sie mit sich bringt- dann kann Ruhe einkehren! Mit Sicherheit war der Alltag früher viel langsamer. Aber war das nicht vielleicht auch deshalb so, weil man sich den Dingen noch ganz gewidmet hat? Weil man nicht alles gleichzeitig machen wollte, immer mit einem Auge auf dem Handy? Es zwint uns doch keiner, an dieser (mensch)selbstorganisierten Hektik teilzunehmen! Vielleicht erlebt gerade deshalb das Selbermachen einen so grossen Aufschwung, weil es Aufmerksamkeit einfordert. Und einem die Gelegenheit gibt, sich beim entspannten Werkeln auf sich selber zu besinnen und auf das, was einem guttut.
    Abkoppeln ist für mich das Zauberwort- abkoppeln von dem, was MAN im Allgemeinen so tut oder lässt, denkt oder sagt. Von dem, was MAN gerade hip findet und was MAN haben sollte. Wenn einem das gelingt, dann klopft das, was früher vermeintlich besser war, an die eigene Haustür. Denn es ist nicht verschwunden. Man muss es nur reinlassen.
    Ganz herzliche Grüsse!

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    1. So wahre Worte liebe Frau Hummel, loss is more. Wir müssen es einfach nur wieder lernen nicht immer erreichbar zu sein, sich von dem Gewusel um uns herum anstecken zu lassen oder uns den sozialen Netzwerken zu entziehen. Sie sind meiner Meinung nach die allerschlimmsten Zeitfresser und ich werde bei nächster Gelegenheit auch hierüber etwas schreiben.
      Du weisst wie gern "ich mit mir" bin, du tickst genauso so und der Begriff abkoppeln trifft den Nagel auf den Kopf.
      Ich habe das nach harten Zeiten aber auch wieder erst lernen müssen und ich bin unglaublich glücklich mit dem kleinen, unscheinbaren um mich herum.
      Was ich leider oft nicht schaffe ist es, das Gedankenkarusell anzuhalten. Ich habe heute einfach nicht mehr diese Sorglosigkeit und Unbeschwertheit von Früher. Da ist Verantwortung und auch ein fordernder Alltag. Es ist nicht immer so leicht einfach den Stecker zu ziehen.
      Ich bin der gleichen Meinung wie du, das werkeln eine wunderbare Art ist um den Kopf von allem wieder frei zu bekommen. Lass uns das bewahren.
      So ♥ lichst, dein Meisje



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  4. interessante Gedanken - War es früher wirklich besser - ich denke Nein, nur in unsere Erinnerung schleichen sich während solcher Gedankengänge eben hauptsächlich die schönen Momente.
    als Kind / junger Mensch war man unbedarfter, hatte noch nicht den Überblick - und das macht diese Zeit so schön , wenn man dran zurückdenkt. bei mir sind das die 60/70er...... bei meinem Kindern wohl eher die 80/90er

    ein schönes WE wünscht gabi

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    1. Ja natürlich liebe Gabi, in unseren Köpfen stecken überwiegend die schönen Augenblicke und Momente dieser Zeit fest. Die Unbeschwertheit einfach, die Leichtigkeit.
      Wir waren acht Geschwister und hatten nicht viel, aber wir waren trotzdem zufrieden und haben gelernt aus dem wenigen das wir hatten etwas zu machen. Für mich kann ich sagen, das ich mir diese Gabe bis heute bewahrt habe und sie auch zum Glück an meine Kinder weitergeben konnte. Auch ein schöne rGedanke der mich ein bisschen mit Stolz erfüllt.
      Schön das du hier gewesen bist ♥, dein Meisje

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  5. Oft denke ich darüber nach.... als Kind und Jugendliche "zu meiner Zeit" wusste ich noch nichts von Klimawandel, Aufrüstung, Umweltvernichtung und dergleichen... Es ging uns gut und die Zukunft lag rosig vor uns wie eine Erdbeersahnetorte. Meine Enkel sind mit 8 und 10 nicht mehr so unbeschwert. Andererseits gibt das vielleicht noch ein Fünkchen Hoffnung auf die Rettung des Planeten wenn sich die Jugend früh Gedanken macht und sich richtig einmischt!?
    Ich würde es den Kindern von Herzen wünschen...

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    1. Meine Liebe, ich glaube wir erleben gerade dieses come back und das genau jdetzt ein Umdenken stattfindet. Nie zuvor gingen soviel Menschen auf die Straßen um den Planeten nachhaltig zu retten, es ist fünf vor zwölf und es wird allerhöchste Zeit, dass die Politik umdenkt und reagiert.
      Schau dir die Ergebnisse der Wahlen an. Ich glaube, ganz weit dahinten leuchtet eine rosa Wolke ...
      Hab es fein du Liebe ;-*

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  6. Was für ein schöner Post. Ich finde mich da oft wieder und erinnere mich
    Liebe Grüße
    Silke

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    1. Nicht wahr Silke, hier könnten wir alle ein paar Fäden in die vergangenheit spinnen und miteinander verweben. Was kämen da für wunderbare Geschcihten zum Vorschein ;-)
      Dicken Kuss, ♥

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  7. Hach ja, Liebelein, so war das.
    Früher habe ich die Augen verdreht, wenn meine Oma lautstark propagierte, dass Früher alles besser war. Heute gucke ich auf mein "Früher" und weiß, wie Recht sie doch hatte. Weil.... Nacher... ist man immer schlauer.

    Ich drück dich
    liebe Grüße
    Nicole

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    1. Du triffst wieder genau den Nagel auf den Kopf. Was habe ich die Augen verdreht .. kommt mir vor als ob es erst gestern war ... wirklich so lange her?!
      Drücker auch für dich ;-*

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